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Die Nachricht, dass in Bayern der Sinn und Zweck von Schreibschrift in Zweifel gezogen wird und in einem Modellversuch ab diesem Schuljahr in 43 Grundschulen keine Schreibschrift mehr gelehrt wird, hat mich sehr beschäftigt. Und das nicht, weil ich die Mutter eines Grundschülers bin, nein, meine Kinder haben die Schule bereits hinter sich gelassen, sondern als Person, der Kultur wichtig ist. Schreiben und die damit einhergehende Schreibschrift sind für mich ein hohes Kulturgut. Wie sagt man so schön: „Vom Herz in die Hand und über das Schreiben zurück in den Kopf.“ Handschriftliche Verknüpfungen sind schließlich auch für die kognitive Entwicklung wichtig. Einige werden sagen, dass doch nicht die Handschrift, sondern nur die Schreibschrift auf dem Prüfstand steht. Druckbuchstaben dürfen weiter mit der Hand verfasst werden …
Als Sandwiches, Hamburger und Döner auf den Markt kamen, haben wir angefangen, diese mit der Hand zu essen, aber dennoch nicht aufgehört, den Kindern beizubringen, wie man mit Messer und Gabel isst, und auch die damit zusammenhängenden Tischmanieren werden nicht einfach weggelassen. Auch Kinder, die kein Musikinstrument spielen, lernen in der Schule im Fach Musik, Noten zu lesen. Warum? Weil Tischkultur und Musik hohe Güter sind – anscheinend sogar höher bewertet als die Schreibkultur, und das im „Land der Dichter und Denker“. Vielleicht schaffen wir demnächst auch das Lesenlernen ab, da wir Vorlesefunktionen und Podcasts haben? Da wäre das eine oder andere Kind sicherlich schneller mit dem Text fertig. Doch die Entwickler des bayerischen Modellversuchs haben wahrscheinlich nachvollziehbare Gründe. Wie wäre es daher mit einem Kompromiss? Für mich ist die Schreibschrift eine emotionale Ausdrucksform, die zumindest im Fach Kunst gelehrt werden sollte, wie der Notenschlüssel im Fach Musik. Sie komplett fallen zu lassen, wäre meiner Ansicht nach ein kultureller Verlust. Vielleicht sollte man das Kultusministerium auch darauf hinweisen, dass insbesondere in der Luxusgüterbranche das Handwerk eine Renaissance erlebt und in diesem Metier mit Schreibschrift verfasste Dankes- und Weihnachtskarten wieder stark aufleben. Schreibschrift sollte für alle da sein und nicht zum Merkmal gut gebildeter Eliten werden. Ich persönlich hoffe, dass uns die Schreibschrift noch lange erhalten bleibt.
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